Talfahrt
Guten Morgen,
es geht mal wieder abwärts. Meine Tiefpunkte werden schmerzvoller. Es ist ja kein Geheimnis mehr, dass mein Mann sich benimmt wie ein Teenager, aber das es nun auch zu meinen Lasten geht ist schon echt hart. Ich befinde mich gerade im starken Sinkflug, ab und an geht das Flugzeug wieder gerade um dann doch noch mal ordentlich nach unten zu fallen. Er befindet sich in so einer miesen Phase, dass mein Unterbewusstsein von Trennung spricht. Knapp 11 1/2 Jahre gehen wir nun gemeinsam und jetzt fällt ihm auf einmal auf, dass er seit er von zu Hause raus ist noch nie wirklich alleine war. Immer war ich da. Er ist nicht frei und kann nicht machen was er möchte. Einfach mal als Single leben um zu schauen wie es ist. Aber ganz ehrlich, dann führen die Wege auch nicht mehr unkompliziert zueinander. Das Thema Kinder hat er scheinbar auch schon wieder komplett verbannt. Er redet wieder nur negativ darüber und ich weiß einfach nicht mehr was ich machen soll. Die Frage ob ich für ihn auf Kinder verzichten würde ist klar und deulich NEIN! In spätestens 10 Jahren wenn es für mich zu spät ist werde ich es ihm vorhalten und dann wird eine Trennung nicht mehr auszuschließen sein. In 10 Jahren möchte ich keine Kinder mehr haben. Ich möchte jetzt, damit ich noch genügend Elan habe es groß zu ziehen und noch nicht im Rentenalter bin, wenn es dann ausgelernt hat. Das finde ich persönlich mit am Schlimmsten. Er möchte aber einfach nur frei sein. Beneidet alles und jeden und ist der festen Überzeugung nix im Leben geschafft zu haben. Dass seine Worte dabei auf mich zurück fallen ist ihm bewusst, aber er kann es nicht ändern.
Das Schlimmste für mich ist diese Ungewissheit, warum er das alles mit mir macht und es auf der Gefühlsebene keine echten ehrlichen Bekenntnisse mehr gibt. Sonst konnte er mir immer genau sagen, dass er mich liebt. Aktuell sagt er: Ich glaube ich liebe dich, dass muss für den Moment reichen. Aber wir bekommen das hin. Alle die Jahre möchte ich auch nicht weg werfen, du bist das Beste, was mir in dieser Zeit passiert ist.
Für meine Ohren klingt es nicht nach dem was ich gerne hören möchte. Ich bin mehr als verzweifelt, verkrieche mich des Öftern in mir selber und verstehe aktuell einfach die Welt nicht mehr. Was soll ich nur tun? Wir haben offen miteinander gesprochen, ich habe ihm gesagt, ich möchte klare Bekenntnisse, denn Ungewissheit ist noch viel Schlimmer als ein klares Ja oder Nein. Es ist sehr schwer. Natürlich weiß ich, dass in so einer Situation ein Kind nicht richtig ist, aber ganz ehrlich, bei ihm habe ich wohl nie das Gefühl das es richtig ist. Er wird es irgendwann merken, wenn es zu spät ist, aber das hilft mir jetzt nicht! Die Sackgasse ist groß und ich muss mir überlegen, ob er Absprung besser ist oder nicht. Fakt ist, ich weiß, dass ich ihn liebe, manchmal frage ich mich nur wieso. Auf komplizierte Dinge stehe ich so gar nicht und das ist gerade meine größte Herausforderung, die ich eigentlich nicht haben möchte.
Verzweiflung!
Eure Laila